Berichte

Interview mit Eric Laidler, Dänemark

Zur Person:
Einer der hilfsbereitesten Sportsfreunde, die ich im Laufe des letzten Jahrzehntes kennen gelernt habe, ist Eric Laidler, auf dessen Freundschaft ich sehr stolz bin. Ähnlich wie bei meinem Freund George Mason ist unser gemeinsames Hobby für Eric mehr, nämlich Leidenschaft. Management, Fütterung und Zucht werden sehr akribisch und gewissenhaft betrieben. Eric ist 56 Jahre alt, gebürtig aus England und wohnhaft in Dänemark. Er fliegt seit vielen Jahren bei dem National Birmingham-Roller-Club (NBRC) ausgetragenen World-Cup mit, wo er in der Regel zu den Top 10 gehört. Im diesem Jahr errang Ferid Catak, Dänemark, mit seinen Tauben, die größtenteils auf Eric`s Tiere zurückgehen, den World-Cup. Somit hat Eric aus meiner Sicht einen nicht unerheblichen Anteil an diesem großen Erfolg.

I. Persönliche Fragen

Seit wann züchtest Du BR?
Seit meinem 9. Lebensjahr habe ich Birmingham-Roller. Die ersten Tauben gehörten noch keiner bestimmten Familie an. Seit etwa 25 Jahren züchte ich intensiv für den Wettbewerb, mit dem Ziel einmal den World-Cup zu gewinnen.
Gab es Vorbilder für Dich, und wer waren für Dich die besten BR-Züchter?
Arthur Chadwich. Er war der Züchter, bei dem ich zuerst einen richtigen Break sah.
Von wem hast Du den Umgang und das Management mit den Tauben gelernt?
In erster Linie durch eigenes Herausfinden.
Wieviel Zeit verbringst Du täglich mit Deinen Tauben?
Im Sommer jede freie Minute, ca. 5 Stunden. Im Winter, da nicht geflogen und trainiert werden kann, entsprechend weniger.

II. Zucht

Welches Zuchtsystem bevorzugst Du, wie siehst Du es mit „Fremdblut“, oder sollte man nur innerhalb einer Familie züchten? Ganz einfach, Helmut, verpaare „Best to Best“. Ferid Cartak und Heine Bijker z.B. haben keine reine Familie (Tiere, die ausnahmslos auf einige Ausgangstiere bzw. einen Züchter zurückgehen) und züchten nach dem Motto „Best to Best“; und das mit großem Erfolg.
Unter der Voraussetzung, Du führst keine neuen Tiere mehr hinzu, erhältst Du so Deine eigene Familie. Voraussetzung dieser Methode ist, dass die Tauben von den verschiedenen Familien gut zueinander passen, sprich: untereinander kompatibel sind. Später können vereinzelt einmal sehr gute Tauben, vorzugsweise Weibchen, eingekreuzt werden.
(Anm. des Interviewers: Die von Eric beschriebene Zuchtmethode weicht auf den ersten Blick sehr von der des George Mason ab, s. Interview, Informationsblatt 05/06). George hat jedoch vor ca. 44 Jahren das gleiche getan. Eric`s Methode setzt für den Anfänger, und das sind wir hier in Deutschland ja wohl mehr oder weniger alle, ein großes Wissen über die einzelnen Züchter und deren Zuchten voraus. Weiter setzt es ein großes züchterisches Können und konsequent richtiges Selektieren voraus.
Bei einem über Jahre gut durchgezüchteten „Taubenstamm“ ist es einfacher, gerade im Hinblick auf eine gute, ausgeglichene Teamarbeit der Tauben, diese zu züchten und zu managen. Vorausgesetzt, man hat Tauben von einem guten Züchter bekommen. So kann man, wie gesagt, von dessen selektiven Vorarbeiten nur profitieren. Einziger Nachteil ist hier, gewünschte Veränderungen in der Familie ohne Fremdblutzufuhr sind nur sehr mühevoll zu korrigieren.
Was sind Deine Auswahlkriterien für die Zuchttiere?
Erstes Auswahlkriterium ist, dass sie sehr gut kitten. Erfüllen die Tauben dieses Kriterium, wird die Rollqualität beurteilt. Erst wenn beides in hervorragender Qualität vorhanden ist, eignen sie sich als Zuchttiere.
Mit wie viel Paaren züchtest Du?
Mit 5-10 Paaren, je nach dem, was im jeweiligen Jahr an Qualität da ist.

III. Flug und Training

Frage Nr. 1 bei allen Züchtern ist die, was fütterst Du? Was bekommen die Alt- und was die Jungtiere und gibst Du den Tauben Vitamine oder Mineralien (z.B. Grit)? Jung- und Alttauben bekommen das gleiche Futter. Sie bekommen Wicken, roten und weißen Dari, Sonnenblumenkerne, Weizen und ein bisschen Gerste. Der Anteil der Wicken beträgt ca. 20-25 %, etwas Sonnenblumenkerne und der Rest ist in etwa gleich aufgeteilt.
In der Mauser bekommen die Tauben etwas besseres Futter. Keinesfalls erhalten sie Mais oder Erbsen. Sie bekommen keine Erbsen, da ich Wicken für besser halte. Vitamine und Mineralien bekommen sie nicht.
(Erfahrung Helmut: Tauben, die mit Wicken gefüttert werden fliegen länger und höher, als Tauben die die gleiche Menge Erbsen gefressen haben. Weder Erbsen noch Wicken verbessern die Rollleistung. Daher sollten nicht einfach Wicken durch Erbsen ersetzt werden, sondern wenn Wicken gegen Erbsen getauscht werden sollen, ein langsamer Wechsel erfolgen.)
Wie händelst Du es mit dem Wasser?
Sie bekommen 24 Stunden am Tag Wasser. (Anm. des Interviewers: Etwa 4 Stunden vor dem Flug sollten die Tauben kein Wasser mehr bekommen, um beim Rollen störende Wasseransammlungen im Kropf zu vermeiden. Überhaupt wird das Thema Wasser unter Züchtern sehr kontrovers diskutiert. Ich selber gebe nur einmal am Tag nach dem Füttern Wasser. Alle Krankheiten werden in der Regel über das Wasser übertragen. Seitdem ich es mit dem Wasser so händle, dass die Tauben nur noch einmal am Tag etwas bekommen, habe ich keine Kuren mehr benötigt und auch keine Krankheiten mehr im Schlag. Die ganze Muskulatur und Kondition ist überdies auch eine andere (straffer bzw. besser).
In welchem Alter sollten die Tauben rollen?
Mit etwa 10 Wochen sollten sie mit dem Rollen anfangen.
Wie lange bekommen die Jungtauben bei Dir eine Chance?
Wenn sie nicht kitten, werden sie sofort aussortiert. Sonst 1 Jahr lang.
Wie sieht für Dich der perfekte Roller aus?
„Fast and tight“ (schnell und fest) und schnell wieder zurück zum Kit. Die Rolltiefe spielt dabei keine so große Rolle.
Gibt es Möglichkeiten bei Tauben, die nicht hoch genug fliegen, diesen Mangel durch Futter auszugleichen? Durch Futter können sie länger oder kürzer, jedoch nicht höher fliegen.
Erhalten die Tauben vor einer Flugabnahme eine besondere Fütterung?
Nein, sie werden immer gleich gefüttert.
Wie oft trainierst Du die Jung- und Alttauben?
Die Jungtauben werden jeden Tag trainiert, die Alttauben höchstens jeden zweiten Tag.
Wie sieht für Dich die ideale Unterbringung für Birmingham-Roller aus?
So wie mein eigener Schlag.
Welchen Ratschlag kannst Du noch den BR-Züchtern in Deutschland geben?
•    Immer mit 20 Tauben fliegen. •    Beim Erwerb von neuen Taben, diese ausschließlich in der Luft aus dem
Flug aussuchen. •    Nur mit Tauben züchten, die gut kitten und möglichst im vorderen Kitt
fliegen. Die besten Roller sind in der Mitte des Kitts. •    Die verschiedenen Futterkomponenten einzeln geben, nicht gemischt. •    Vor dem Fliegen, den Alttieren etwas weniger Futter geben; nach dem
Flug etwas mehr Futter. Ausnahme sind die Jungtiere, die immer gleich gefüttert werden, weil sie jeden Tag geflogen werden.
Eric, vielen Dank für dieses Interview, auch im Namen meiner Mitglieder. Hvide Sande, 28.10.2006